Abgehakt? Zum Umgang mit NS-Spuren im Petershof
Der Umbau des alten Kuhstalls im Petershof zu einer Kita der Reggio-Pädagogik (ZEBRA e.V.) wird bald beginnen. Während der NS-Zeit wurde der Stall von einer Reitergruppe der Hitlerjugend genutzt, woran ein verblasstes Wandbild mit NS-Symbolik erinnert.
An diesem Wochenende wollen wir diese Reste in künstlerischen Interventionen entfernen, über die Geschichte des Petershofs informieren und die zukünftige Gestaltung des Hofs als einen Ort der antifaschistischen und antirassistischen Erinnerung und Mahnung für heute diskutieren.
Samstag, 11. Juli
10–17 Uhr Bautag inkl. gemeinsamem Mittagessen und Führung durch den Hof, um Anmeldung wird gebeten: bautag@petershof.org
Sonntag, 12. Juli
14 Uhr
Begrüßung und Informationen zur Geschichte und der zukünftigen Gestaltung des Petershofs (mit DGS-Dolmetschung), mit Grußworten von Antonietta Abbruscato, der Vorsitzenden des ZEBRA e.V., und dem Shahrzad e.V.
14.30–16.30 Uhr
Werkstatt für aktives Erinnern und gelebte Utopien: Studierende der Universität Köln aus dem Department Kunst & Kunsttheorie bei Lotte Püttmann und im Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung bei Sabrina Klein werden an verschiedenen Stationen Ideen für den künstlerischen und pädagogischen Umgang mit der NS-Geschichte des Petershofs vorstellen. Freut euch auf das gemeinsame Gestalten antifaschistischer Sticker, Ideen für (digitale) Konzepte der historisch-politischen Bildung und mehr!
Die Kölner Künstlerin Britta Frechen kuratiert das gemeinsame Gestalten von „Ponys gegen Rechts“, die den militaristischen Drill der reitenden Hitlerjugend
mit ihrer ungezähmten Heiterkeit konfrontieren werden.
15.30 Uhr
Zwei Führungen für kleinere Gruppen: Über den Petershof, und zum Gedenkort Deportationslager mit Hildegard Jahn-Schnelle vom Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V.
16.30 Uhr
„Verpacken gegen das Vergessen“. Die Künstlerinnen Lydia Koch und Britta Frechen werden die Reste des NS-Wandbilds transformieren, entfernen und nach höchsten antifaschistischen Standards entsorgen und als Mahnmal für heute bewahren.
Der Kölner Fotograf Marco Woyczikowski wird die künstlerische Intervention dokumentieren, sodass sie später im zukünftigen Bildungs- und Veranstaltungszentrum des Hofs präsentiert werden kann.
18 Uhr
Ausklang – Mitsingkonzert „Gemeinsam für morgen“ mit Vinni und Miro – kölsch, solidarisch, international.
Den ganzen Tag über sorgt ein Pop-up-Café der AG Gastro und des Shahrzad e.V. (Verein für gehörlose Geflüchtete und Migrant*innen) für Speisen und Getränke.
Der Petershof ist autofrei - bitte kommt mit ÖPNV oder Fahrrad. Der Hof ist mit dem Rollstuhl zugänglich und eine barrierefreie Toilette ist vorhanden. Eine Dolmetschung in DGS wird angeboten.

Der Klimawandel wird vor Köln nicht Halt machen und der Bausektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen. Sanierung statt Abriss ist hier der erste wichtige Schritt, den wir im Petershof gehen. So verhindern wir die Entstehung von grauer Energie und passen den Hof gleichzeitig an ein verändertes Klima an:
Wir schützen das Klima durch den Erhalt der alten Substanz, eine ökologische Dämmung, Photovoltaikanlagen und eine Wärmepumpe. Mit einer Grauwasseranlage, der Entsiegelung von Flächen, sowie der Pflege und dem Erhalt der bestehende Bäume tragen wir zu weniger Wasserverbrauch, Artenschutz und verbessertem Mikroklima in der Stadt bei. Denn für uns schließen sich Klimaschutz und Denkmalschutz nicht gegenseitig aus.
Wir haben die Verantwortung für das Gelände und die Gebäude für mindestens 99 Jahre übernommen. Durch zukunftsweisende und innovative Lösungen werden wir dieser Verantwortung gerecht: Für eine klimagerechte Stadt von morgen müssen wir heute die Weichen stellen.
Doch viele dieser ökologische Lösungen sind immer noch teuer und aufwendig. Klimaschutz muss praktisch werden!
Wir stehen am Anfang von klimatischen, sozialen und politischen Krisen, die sich gegenseitig verschärfen und eine wirkliche Antwort aus Politik und Gesellschaft lässt auf sich warten. Darauf wollen wir reagieren:
Für Veränderung auf gesellschaftlicher Ebene braucht es selbstverwaltete Begegnungsorte, die für alle zugänglich sind und an denen solidarische Praxis entwickelt und gelebt wird.
Gemeinsam wollen wir in unserem soziokulturellen Zentrum Ideen für ein Zusammenleben in Nachbarschaft und Gesellschaft entwickeln, um den großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu begegnen.
Ein Ort zum Experimentieren und Ausprobieren, ein Begegnungsort, ein Versuchsraum für ein solidarisches Miteinander, Freiraum für Kunst und Kultur, ein Platz für praktisches Arbeiten.
Der Petershof ist ein geschichtsträchtiger Ort: Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, ist er heute einer der ältesten noch vorhandenen Vierkanthöfe in Köln. Über die Jahre ist er durch verschiedene Besitze gegangen und wurde somit zu einem bedeutenden Ort der Kölner Stadtgeschichte.
Zunächst wurde er als Gutshof benutzt, was sich heute noch an seiner unverwechselbaren architektonischen Gestalt erkennen lässt. Während der NS-Zeit nutzte eine Reiterstaffel der Hitlerjugend den Hof und zeitweise waren dort Zwangsarbeiter*innen untergebracht - der Petershof soll heute also auch ein Mahnmal der Vergangenheit sein.
Seit den 50er Jahren war in einem Teil des Hofes die Schlosserei des Kölner Grünflächenamtes untergebracht, während das ehemalige “Herrenhaus” lange Jahre als Kita diente. Viele Nachbar*innen aus Müngersdorf erinnern sich noch heute an ihre Kindergartenzeit im Petershof und sind dem Ort dadurch verbunden. Nicht nur die verschiedenen Nutzungen, sondern auch seine äußere Gestalt prägt bis heute: Rostrotes Klinkergebäude, alte Gemäuer, riesige Bäume - vieles davon unter Denkmalschutz. Ein dreifaches Denkmal: Natur-, Boden- und Baudenkmal!
Wohnen ist ein elementarer Bestandteil des Lebens und nachbarschaftliche Verbundenheit ist das Gegenstück zu gesellschaftlicher Spaltung. Unsere Genossenschaft erschafft im Petershof einen Ort, in dem über 30 Menschen aller Altersstufen und Lebenssituationen ihren Alltag gemeinsam bestreiten können. Wir richten verschiedene Wohnformen mit großzügigen Gemeinschaftsflächen ein: So können Menschen in Clustern, WGs, Familien- und Einzelwohnungen leben und den Ort mitgestalten. Häufig ist gemeinschaftlicher Wohnraum jedoch nicht für alle Menschen zugänglich und auch Genossenschaften fordern oft hohe Investitionseinlagen von ihren Bewohner*innen: Wer in einer Genossenschaftswohnung einziehen möchte, muss pro Quadratmeter eine bestimmte Zahl an nutzungsbezogenen Genossenschaftsanteilen zeichnen.
Wir wollen gemeinschaftliches Wohnen im Petershof unabhängig vom Geldbeutel ermöglichen. 30% der Wohnungen werden WBS-gefördert sein. Dazu richten wir einen Solidarfonds ein, über den die nutzungsbezogenen Anteile für Menschen mit weniger Geld übernommen werden können. Außerdem halten wir drei Wohneinheiten für Menschen frei, die auf dem Kölner Wohnungsmarkt diskriminiert werden.