
Hitlers Weg in den Zweiten Weltkrieg
und wie die Hitlerjugend in den Petershof kam
Die völkerrechtswidrige Remilitarisierung des Rheinlands ab dem 7. März 1936 war ein entscheidender Schritt von Hitler in seiner Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs. Auch in Köln kehrte die Wehrmacht in ihre alten Kasernen zurück und die im Geheimen bereits begonnene Wiederaufrüstung konnte durch eine rege Bautätigkeit offen fortgesetzt werden. Eine Reitergruppe der Hitlerjugend musste daher eine Kaserne in Köln-Riehl verlassen und die Stadt Köln stellte ihr die leer stehenden Wirtschaftsgebäude des Petershofs in Köln-Müngersdorf für ihre paramilitärischen Übungen zur Verfügung. Heute wird der Petershof von unserem genossenschaftlichen Kultur- und Wohnprojekt umgebaut und wieder nutzbar gemacht. Daher hat dieser Tag eine besondere Bedeutung für uns, um an die Schrecken von Nationalsozialismus und Krieg zu erinnern, und wir laden zu Veranstaltungen im Petershof ein.
14.00–15.30 Uhr: „Hitlers rheinische Ouvertüre“. Zur Wiederbesetzung der entmilitarisierten Zone am Rhein vom 7. März 1936
Vortrag von Dr. Alexander Wolz mit anschließender Aussprache
Dr. Wolz ist Historiker an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg und hat 2012 eine Dissertation zu diesem Thema abgeschlossen. Sie wurde 2014 im Oldenbourg Verlag unter dem Titel „Die Rheinlandkrise 1936. Das Auswärtige Amt und der Locarnopakt, 1933–1936“ veröffentlicht. In seinem Vortrag wird er vor allem auf die außenpolitische Vorbereitung der Aktion durch Hitler und die deutsche Führung, sowie die Haltung zu der Aktion in England und Frankreich eingehen.
15.30–16.00 Uhr: Pause mit Snacks und heißen Getränken, und Führung durch das ehemalige „Reiterheim“ der Hitlerjugend
16.00–17.30 Uhr: „Denkmal der Zukunft – Mahnmal der Vergangenheit“
Wir werden über die Tätigkeit der Hitlerjugend im Petershof berichten und wie hier junge Menschen auf die nationalsozialistische Ideologie eingeschworen und ganz praktisch auf ihren Einsatz im Krieg vorbereitet wurden. Trotz der industrialisierten Kriegsführung spielten Pferde auch noch im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Bedeutung für die militärische Infrastruktur; insgesamt wurden 2,8 Mio. Pferde von der Wehrmacht eingesetzt. Zusammen wollen wir diskutieren, was die Erinnerungsarbeit zu diesem Teil der Geschichte des Petershofs für unser heutiges Engagement gegen Faschismus und Krieg bedeuten kann.
Abschluss: Gang zum „Gedenkort Deportationslager Köln-Müngersdorf 1941–1945“, der sich in unmittelbarer Nähe des Petershofs befindet.
Hinweise zum Veranstaltungsort:
1. Der Zugang zum Raum ist barrierefrei, zur Toilette leider nicht
2. Der Saal ist nur begrenzt beheizbar, bitte zieht euch warm an
3. Der Petershof ist autofrei und es gibt nur wenige Stellplätze in der Umgebung, bitte reist mit ÖPNV (U1, Bus 141, 143) oder Fahrrad an.
Kontakt: geschichte@petershof.org
Der Klimawandel wird vor Köln nicht Halt machen und der Bausektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen. Sanierung statt Abriss ist hier der erste wichtige Schritt, den wir im Petershof gehen. So verhindern wir die Entstehung von grauer Energie und passen den Hof gleichzeitig an ein verändertes Klima an:
Wir schützen das Klima durch den Erhalt der alten Substanz, eine ökologische Dämmung, Photovoltaikanlagen und eine Wärmepumpe. Mit einer Grauwasseranlage, der Entsiegelung von Flächen, sowie der Pflege und dem Erhalt der bestehende Bäume tragen wir zu weniger Wasserverbrauch, Artenschutz und verbessertem Mikroklima in der Stadt bei. Denn für uns schließen sich Klimaschutz und Denkmalschutz nicht gegenseitig aus.
Wir haben die Verantwortung für das Gelände und die Gebäude für mindestens 99 Jahre übernommen. Durch zukunftsweisende und innovative Lösungen werden wir dieser Verantwortung gerecht: Für eine klimagerechte Stadt von morgen müssen wir heute die Weichen stellen.
Doch viele dieser ökologische Lösungen sind immer noch teuer und aufwendig. Klimaschutz muss praktisch werden!
Wir stehen am Anfang von klimatischen, sozialen und politischen Krisen, die sich gegenseitig verschärfen und eine wirkliche Antwort aus Politik und Gesellschaft lässt auf sich warten. Darauf wollen wir reagieren:
Für Veränderung auf gesellschaftlicher Ebene braucht es selbstverwaltete Begegnungsorte, die für alle zugänglich sind und an denen solidarische Praxis entwickelt und gelebt wird.
Gemeinsam wollen wir in unserem soziokulturellen Zentrum Ideen für ein Zusammenleben in Nachbarschaft und Gesellschaft entwickeln, um den großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu begegnen.
Ein Ort zum Experimentieren und Ausprobieren, ein Begegnungsort, ein Versuchsraum für ein solidarisches Miteinander, Freiraum für Kunst und Kultur, ein Platz für praktisches Arbeiten.
Der Petershof ist ein geschichtsträchtiger Ort: Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, ist er heute einer der ältesten noch vorhandenen Vierkanthöfe in Köln. Über die Jahre ist er durch verschiedene Besitze gegangen und wurde somit zu einem bedeutenden Ort der Kölner Stadtgeschichte.
Zunächst wurde er als Gutshof benutzt, was sich heute noch an seiner unverwechselbaren architektonischen Gestalt erkennen lässt. Während der NS-Zeit nutzte eine Reiterstaffel der Hitlerjugend den Hof und zeitweise waren dort Zwangsarbeiter*innen untergebracht - der Petershof soll heute also auch ein Mahnmal der Vergangenheit sein.
Seit den 50er Jahren war in einem Teil des Hofes die Schlosserei des Kölner Grünflächenamtes untergebracht, während das ehemalige “Herrenhaus” lange Jahre als Kita diente. Viele Nachbar*innen aus Müngersdorf erinnern sich noch heute an ihre Kindergartenzeit im Petershof und sind dem Ort dadurch verbunden. Nicht nur die verschiedenen Nutzungen, sondern auch seine äußere Gestalt prägt bis heute: Rostrotes Klinkergebäude, alte Gemäuer, riesige Bäume - vieles davon unter Denkmalschutz. Ein dreifaches Denkmal: Natur-, Boden- und Baudenkmal!
Wohnen ist ein elementarer Bestandteil des Lebens und nachbarschaftliche Verbundenheit ist das Gegenstück zu gesellschaftlicher Spaltung. Unsere Genossenschaft erschafft im Petershof einen Ort, in dem über 30 Menschen aller Altersstufen und Lebenssituationen ihren Alltag gemeinsam bestreiten können. Wir richten verschiedene Wohnformen mit großzügigen Gemeinschaftsflächen ein: So können Menschen in Clustern, WGs, Familien- und Einzelwohnungen leben und den Ort mitgestalten. Häufig ist gemeinschaftlicher Wohnraum jedoch nicht für alle Menschen zugänglich und auch Genossenschaften fordern oft hohe Investitionseinlagen von ihren Bewohner*innen: Wer in einer Genossenschaftswohnung einziehen möchte, muss pro Quadratmeter eine bestimmte Zahl an nutzungsbezogenen Genossenschaftsanteilen zeichnen.
Wir wollen gemeinschaftliches Wohnen im Petershof unabhängig vom Geldbeutel ermöglichen. 30% der Wohnungen werden WBS-gefördert sein. Dazu richten wir einen Solidarfonds ein, über den die nutzungsbezogenen Anteile für Menschen mit weniger Geld übernommen werden können. Außerdem halten wir drei Wohneinheiten für Menschen frei, die auf dem Kölner Wohnungsmarkt diskriminiert werden.